Mongolei

Dschingis Khans Erben

Kamele, Kaschmir, Kohle & Kupfer


„Starke, gerade Beine muss sie haben“...


...riet der Vater dem neunjährigen Dschingis Khan bei der Brautschau. Die hatte die zehnjährige Burtu Ujin, und sie hat sich ihn ausgesucht. Viele Schicksalsjahre später heiratet der junge Khan sein Mädchen. Gerade, starke Beine hat auch die moderne Mongolin, und die steckt sie in Highheels … je höher je besser. Das war der erste Eindruck am Flughafen von Ulaanbatar (UB) morgens um acht. Wie können die nur auf den Stöckeln überleben … auf diesen Straßen und Wegen … mehr Schotterpiste mit tiefen Dellen … metertief – so tief, dass der erste Taxifahrer gleich nach zwei Kilometern seinen Reifen opfert. Der zweite kommt durch und ich bin in UB, der Hauptstadt, die so anders ist wie das Land. 


Hier Hochhäuser und charmante, sozialistische Plattenbauten und draußen, vor den Toren der Stadt: Bunte lustige Häuschen, die fast kreisrunden Jurten, Daschas: Landleben der Stadtnomaden. Im letzten harten Winter sind die Tiere in der Kälte verendet … alles futsch auf einen Schlag. Seither herrscht in der - ansonsten friedlichen - Metropole mehr Klein-Kriminalität. Das Leben wird auch wieder normal, bis dahin gilt: Taschen festhalten und mit offenen Augen durch. Größer ist das Problem, eine Straße ohne Blessuren – egal ob als Fußgänger oder Fahrer – zu überqueren. In UB sollte der Neuling lieber den Fuß vom Gas lassen bis er sich an das quirlig-verkehrswidrige Treiben gewöhnt hat – ein Spur- oder Seitenwechsel ohne Rück- oder Vorsicht ist an der Tagesordnung. Räuspern, Rülpsen, Rotzen, gesund, aber gewöhnungsbedürftig … ein Sound, an den sich der Gast in jedem asiatischen Land gewöhnen muss. Und die Mongolei ist ein Stück Asien … nur anders.

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UB zu überleben ist die eine, das Land zu erleben die viel schönere Variante der Mongolei: Weite, Wüste, Wasserfälle … Natur satt. Laut Statistik treffen wir alle 1,7 km einen Mongolen, und auf manchen Strecken gibt es auch kleine Städtchen und Siedlungen. Und überall diese kleinen, zähen Pferdchen, die genügsamen Ziegen, Jacks und hier und da mal ein Kamel, ein Adler und zahllose Schafe. Der Gast muss die Weite lieben, bereit sein für immer neue Blickwinkel, plötzlich auftauchende Gesteinsformationen, Gewässer … ein gastfreundliches Land für Liebhaber, keine Massendestination.

 

Kohle, Kupfer & Karbon …


… auch unter diesem Motto kann der Gast das Land bereisen, insbesondere, wenn er sein Geld investieren will. Das Land - 4,5 Mal so groß wie Deutschland - gilt derzeit als Geheimtipp an den Handelsplätzen der Welt. „Die Mongolei sitzt auf Gold, Kohle, Rohöl und strategischen Rohstoffen wie Geranium, Karbon, Lithium … die müssen es nur hoch holen“, weiß ein Insider. 


Die asiatischen, australischen, kanadischen Börsen und die Russen haben das schon lange erkannt. Nur die westliche Welt ist erst mit einem Investor vertreten: Die Goldmine Oyu Tolgoi befindet sich im Besitz der kanadischen Gesellschaft Ivanhoe Mines. Rio Tinto, die 2006 für 303 Mio USD eine Beteiligung von 9,9% an Ivanhoe erworben hatte.


Eines der ersten Joint-Venture war die Kupfermine in Erdenet. Hier befindet sich die viertgrößte Kupfermine der Welt, ein mongolisch-russisches Konstrukt, Erdenet Mining LLC. Sie trägt den Hauptanteil zum mongolischen Exportvolumen und Steueraufkommen bei. Lange Zeit wurde nur Kupferkonzentrat exportiert, seit 2005 ist die Anlage auch in der Lage, reines Kupfer herzustellen. Mit dem Bus (Abfahrt 12.00 und 14.00 Uhr) braucht der Gast rund sechs Stunden in die zweitgrößte Stadt der Mongolei. Sie ist die Hauptstadt der Provinz Orchon und der Endpunkt einer Seitenlinie der Transmongolischen Eisenbahn. Seit über 30 Jahren wird hier erfolgreich produziert … anfangs noch mit 80% russischen Mitarbeitern, heute sind es nur noch fünf Prozent. Das ganze Städtchen am Fuß der Burengiin-Gebirgskette, in dem es noch zwei Kohle Kraftwerke gibt, lebt von der Mine. Hier gibt es ansonsten eine Teppichfabrik, die auch Schuhe, Schals und Schlafsäcke produziert. Seit Juni 2010 existiert der Outlet-Laden und bietet häufig Geschmackvolles zu guten Preisen. Im Juli ist „Erntezeit“, da wird die Wolle geschoren von Schaf, Ziege und Kamel. Danach geht es in die Produktion.
Den Rückweg in die Hauptstadt kann der Gast auch mit dem Taxi (gleicher Preis: 11.000 Tugrik = rund 6,50 Euro pro Person - wie die Busfahrt) zurückgelegen. In der Mongolei ist es üblich, dass sich Fahrgemeinschaften bilden, um schneller – oft auch komfortabler - von A nach B zu kommen. 







ganz persönlich:


Freundlichkeit und Gastfreundschaft wird in der Mongolei groß geschrieben. Ich habe hier nur sehr freundliche Menschen erlebt, die natürliche Aufgeschlossenheit zeigten, und mit Händen und Füssen habe ich alles bekommen. Auf dem Land ist die Entfernung (durchschnittlich 1 Mongole auf 1,7 Quadratkilometern) zwischen den einzelnen Familien so groß, dass man sich freut, mal jemanden zu sehen. Wenn man die Jurte verlässt, steht immer etwas zu Essen und zu Trinken bereit, um eventuelle Gäste zu bewirten … auch wenn der Gastgeber nicht zuhause ist. Der Gast kehrt ein, bedient sich, räumt auf und zieht weiter. Wer die mongolische Art, ihr Wesen und ihre Geschichte als Nomaden- und Kriegervolk erleben und verstehen will, sollte Naadam, das mehrtägige Nationalfest Anfang Juli, mitmachen. Es ist ein beeindruckendes Drei-Tage-Happening, das die Kultur am deutlichsten zum Ausdruck bringt und zudem noch in der schönen Sommerzeit. Seine Wurzeln gehen zurück bis in die Zeit der Alttürken oder Hunnen. Spätestens unter Dschingis Khan und seinen Nachfolgern wandelte es sich dann zur Wehrertüchtigung für die Krieger des Kaisers. Naadam fand nicht zu einer bestimmten Zeit statt, sondern immer dann, wenn sich Gelegenheit dazu bot. Heute wird es - in Erinnerung an die Revolution von 1921 - vom 11. bis 13. Juli jeden Jahres als „Staats-Naadam“ gefeiert. Parallel dazu oder um wenige Wochen zeitlich versetzt, finden auch in allen Aimaks (Stämmen) und in manchen Somonen kleine Naadam-Feste statt, die für Besucher mitunter reizvoller sein können als die großen Veranstaltungen in Ulaanbaatar. Im Kern besteht das Fest aus drei Veranstaltungen: Reiten, Ringen und Bogenschießen. Sie werden zum Staats-Naadam, umrahmt von Kulturveranstaltungen, nationaler Symbolik und einem Volksfest mit Jahrmarkt-Charakter. Besonders beeindruckend fand ich das „Kostümfest“ am letzten Tag des Naadam auf dem Shukabatar Platz, wo Jung und Alt die Trachten aus den 21 mongolischen Provinzen (Aimaks) zeigten. Geduldig und immer freundlich posierten sie vor den wenigen Touristen.